Stille Nacht, heilige Nacht

Aus einem Vortrag Bruno Grönings vom 21.12.1956 in Pirmasens

„Aber heute denken wir an das Wichtigste! Heute, ab heute werden Sie wirklich besinnlich, besinnen sich auf das eigene Ich, das heißt auf sich selbst. Und sinnen Sie wirklich nach: Denken Sie zurück, was Sie alles getan haben. Es ist genau so, als wenn Sie beichten; wenn Sie einen Menschen gefunden, wo Sie Ihr Herz frei machen von all dem, was Sie bisher geplagt hat. Aber das müssen Sie jetzt mit sich selbst ausmachen; machen sich frei; bereiten sich auf das heilige Fest vor und wenn Sie das denn … Gott, unser Vater, will uns auch beschenken. (Ich hab s schon dreimal gesagt.) Und Menschen nehmen das Geschenk nie – selten – an; sie denken nicht daran. Sie haben es einfach nicht gewusst.

Wenn Sie das Liedlein singen „Stille Nacht, heilige Nacht!“ – nur das eine einzige Lied, meine lieben Freunde, was sagt Ihnen das? Ist da Wahrheit drin? Sie bräuchten von Christus, von der Geburt, von allem nichts wissen; singen Sie nur das eine Lied. Da ist alles enthalten! Es gibt schon mehr dieser solcher Lieder, die wir bei diesem heiligen Fest singen. Und wir können uns wirklich des Lebens freuen, wenn wir den Inhalt aber erkannt haben. Ich weiß, Sie kennen ihn schon von der Kindheit an. Ich brauche Ihnen das gar nicht schriftlich, nicht so da vorlegen; nein, das wissen Sie. Das ist auch das Leichteste. Es ist auch zur Macht, zu einer Macht der Gewohnheit geworden: „Ich kenn s; ich kann s singen!“ Aber was enthält dieses Lied? Haben Sie auch darüber nachgesonnen? Ich gebe Ihnen einen guten Rat, meine lieben Freunde: Singen Sie bitte jetzt gemeinsam dieses Lied „Stille Nacht, heilige Nacht!“. Dann brauch ich hernach nichts mehr sagen; dieses Lied enthält alles. – Singt!“

Stille Nacht, heilige Nacht!

Alles Schläft, einsam wacht

nur das traute hochheilge Paar.

Holder Knabe im lockigen Haar,

schlaf in himmlischer Ruh,

schlaf in himmlischer Ruh.

Stille Nacht, heilige Nacht!

Hirten erst kundgemacht

durch der Engel halleluja.

Tönt es laut von fern und nah:

Christ, der Retter ist da,

Christ, der Retter ist da.

Stille Nacht, heilige Nacht!

Gottes Sohn, o wie lacht

Lieb aus deinem göttlichen Mund,

da uns schlägt die rettende Stund,

Christ, in deiner Geburt,

Christ, in deiner Geburt.

Aus den „Himmlischen Geheimnissen“ von Emanuel Swedenborg (HG 8261)

Ein Lied singen, bedeutet aber verherrlichen und das Lied somit die Verherrlichung. Weil die Lieder in der Alten Kirche und später in der jüdischen prophetisch waren und vom Herrn handelten, besonders daß Er in die Welt kommen, die teuflische Rotte, die damals mehr als je tobte, zerstören und die Gläubigen von den Angriffen derselben befreien werde; und weil die prophetischen Lieder im inneren Sinn solches enthielten, daher wird durch sie die Verherrlichung des Herrn bezeichnet, d.h. die Verherrlichung desselben aus der Freude des Herzens, denn die Freude des Herzens drückt sich vorzüglich durch den Gesang aus, weil im Liede die Freude gleichsam hell tönend aus sich hervorbricht. Daher kommt es, daß Jehovah, d.h. der Herr in den Liedern Held, Kriegsmann, Gott der Heerscharen, Sieger, Kraft, Schutzwehr, Schild, Heil genannt, die teuflische Rotte aber, die zerstört wurde, als der Feind bezeichnet wird, der geschlagen, verschlungen, versenkt, in die Hölle geworfen ist. Diejenigen, die vom inneren Sinn nichts wußten, glaubten früher auch wirklich, daß hier solche Dinge zu verstehen seien, wie sie in der Welt sind, wie z.B. Feinde, Kämpfe, Siege, Verheerungen, Versenkungen, von denen jene Lieder im äußeren Sinne handelten, aber diejenigen, die wußten, daß alle Weissagungen Himmlisches und Göttliches in sich schließen, und daß solches in den selben vorgebildet wird, wußten auch, daß es sich in denselben von der Verdammnis der Ungläubigen handelt und von der Erlösung der Gläubigen durch den Herrn, wenn Er in die Welt kommen werde; und dann hatten diejenigen, die es wußten und darüber dachten und davon angeregt wurden, eine innere Freude, jene hingegen nur eine äußere. Die Engel, die bei dem Menschen sind, waren dann auch zugleich mit ihnen in der Verherrlichung des Herrn, daher empfanden die, welche sangen und die zuhörten, aus dem Heiligen und Seligen, das aus dem Himmel einfloß, eine himmlische Freude, durch die sie gleichsam in den Himmel erhoben zu sein schienen. Eine solche Wirkung hatten die Gesänge der Kirche bei den Alten, und eine solche Wirkung sollten sie auch heutzutage haben; denn die geistigen Engel werden besonders von den Liedern angeregt, die vom Herrn, Seinem Reich und von der Kirche handeln. Eine solche Wirkung hatten die kirchlichen Gesänge nicht nur dadurch, daß die Freudigkeit des Herzens durch sie lebendig gemacht wurde, und von dem Inwendigeren bis zu den äußeren Fibern des Körpers herausdrang und diese durch ein freudiges und zugleich heiliges Beben bewegten, sondern auch deshalb, weil die Verherrlichung des Herrn in den Himmeln durch Chöre geschieht und somit durch den harmonischen Gesang vieler. Daher ist auch die Engelrede harmonisch und rhythmisch. Daher kommt es, daß die Verherrlichungen des Herrn bei den Alten, die der Kirche angehörten, durch Lieder, Psalmen und musikalische Instrumente verschiedener Art stattfanden, denn die Angehörigen der Alten Kirche hatten eine Freude, die alle Freuden übersteigt, durch das Andenken an die verheißene Ankunft des Herrn und an die Erlösung des menschlichen Geschlechtes durch Ihn.

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